Ich hatte ja den Plan, alle Bücher aus über 65 Jahren Spiegel-Bestsellergeschichte durchsuchbar zu machen, weil es da immer noch viele vergessene gute Bücher gibt, die es zu lesen lohnt.

Über das reguläre Suchformular ging das schon ganz gut, man kann nach Autor, Titel, Jahr der Liste und/oder der Heftnummer (KW) der Spiegel-Ausgabe suchen, entweder einzeln oder kombiniert. Außerdem gezielt nach Keywords in den Buchbeschreibungstexten.

Übrigens kann man sich auch anzeigen lassen, welche Bücher am eigenen Geburtstag gelistet waren.

Suchformular von LibraNoir mit Feldern für Autor, Titel, Jahr und Kalenderwoche sowie einer Suche in den Beschreibungen. Darunter eine Geburtstagssuche, die zeigt, welche Bestseller an einem bestimmten Tag auf der Liste standen.

Weil das aber alles noch zu starr ist, hab ich mit Hilfe von Claude und Meilisearch eine KI-Suche gebaut.

Die KI-Suche macht aus einer Frage in deinen eigenen Worten bis zu acht Vorschläge aus dem Archiv, ohne einen einzigen Titel zu erfinden. Dafür arbeiten ein Sprachmodell und eine klassische Suchmaschine Hand in Hand.

Der Weg auf einen Blick

Ablaufschema der KI-Suche: Das Sprachmodell macht aus der Frage bis zu 8 Suchbegriffe. Die Suchmaschine findet damit bis zu 75 Kandidaten im Archiv. Das Sprachmodell wählt daraus bis zu 16 Bücher aus, der Server prüft die Liste und zeigt höchstens 8 Vorschläge. Bekannte Fragen kommen direkt aus dem Speicher.

Eine neue Frage durchläuft drei Schritte und dauert meist zwei bis drei Sekunden.

Schritt 1: Aus der Frage werden Suchbegriffe

Das Sprachmodell Claude Haiku von Anthropic liest deine Frage und übersetzt sie in bis zu acht Suchbegriffe. Damit es die Sprache des Archivs trifft, kennt es typische Genres und Tonlagen aus dem Bestand. Bücher sieht es in diesem Schritt noch nicht.

Aus „Mystery-Thriller über Geheimbünde“ wurde zum Beispiel: Thriller, Krimi, Mystery, Geheimbund, Geheimgesellschaft, Verschwörung, Spannend, Düster. Nennst du eine Zeit wie „am liebsten 90er“, merkt sich das Modell zusätzlich die passenden Jahre.

Schritt 2: Die Suchmaschine sammelt bis zu 75 Kandidaten

Das Modell kann nicht für jede Frage das ganze Archiv mit rund 3.600 Titeln lesen, das wäre zu teuer und zu langsam. Die Vorauswahl übernimmt deshalb Meilisearch, eine Suchmaschine, die auf dem LibraNoir-Server selbst läuft. Sie vergleicht nur Wörter und brauchte dafür im Test weniger als eine Zehntelsekunde.

Gesucht wird auf zwei Wegen, weil jeder gute Bücher findet, die dem anderen entgehen:

  • Alle Begriffe zusammen: Das ergibt die besten 30 Treffer. Findet die Suche zu wenig, fallen häufige Wörter als Erste weg, seltene bleiben erhalten.

  • Jeder Begriff für sich: Ein Buch sammelt je Begriff Punkte. Seltene Begriffe zählen mehr, und ein Treffer weit oben mehr als einer weit unten. „Jüdisch“ mit 58 Treffern wiegt also schwerer als „humorvoll“ mit 540.

Zusammen ergibt das bis zu 75 Kandidaten. Hast du eine Zeit genannt, zählen nur Bücher, die in diesen Jahren auf der Liste standen. Bleiben weniger als 20 übrig, wird ohne Zeitangabe aufgefüllt.

Schritt 3: Das Sprachmodell liest und wählt aus

Jetzt bekommt Haiku deine Frage und die nummerierte Kandidatenliste. Es prüft jedes Buch einzeln: Jeder Teil der Frage zählt, und im Zweifel bleibt ein Buch draußen. So erkennt es, dass ein Schelmenroman über jüdisches Leben zugleich zu „humorvoll“ und „jüdisch“ passt.

Als Antwort schickt es nur eine Rangliste mit bis zu 16 Nummern. Erfinden kann es dadurch nichts: Eine Nummer, die nicht auf der Liste steht, fällt heraus, und jeder Vorschlag kommt aus dem Archiv.

In einem Test standen deshalb bei „Melancholischer Roman aus Japan“ neben Murakami auch Tanizaki und „Die Kieferninseln“. Von einem Autor kommen zwei nach vorn, weitere füllen nur auf, wenn sonst keine acht zusammenkommen. Deshalb stehen bei „Melancholischer Roman aus Japan“ neben Murakami auch Tanizaki und „Die Kieferninseln“.

Das Ergebnis bleibt 30 Tage gespeichert. Dieselbe Frage kommt in dieser Zeit sofort und mit derselben Liste. Danach wählt Haiku neu, damit neue Steckbriefe und Beschreibungen ankommen.

Welche Daten einfließen

Beschreibung und Steckbrief entscheiden darüber, ob ein Buch gefunden wird. Neue Angaben findet die Suche nach dem nächtlichen Neuaufbau ihres Index.

Tabelle: Welche Buchdaten Suchmaschine und Sprachmodell nutzen. Die Suchmaschine liest Titel, Autor, Steckbrief, Beschreibung, Originaltitel und Verlag. Das Sprachmodell liest Titel, Autor, Steckbrief, das erste Jahr auf der Liste und einen Kurztext von bis zu 400 Zeichen.

Platzierungen und Bewertungen fließen nicht ein. Ein Nummer-1-Bestseller hat also keinen Vorsprung.

An Anthropic gehen deine Frage und die Kandidatenliste, deine IP-Adresse nicht. Die Daten dienen nicht dem Training und werden laut Anthropic in der Regel innerhalb von 30 Tagen gelöscht. Auf dem Server bleibt die Frage ohne Bezug zu dir gespeichert, bis sie sechs Monate lang niemand mehr gestellt hat. Geeignete Fragen erscheinen unter „Zuletzt gesucht“, gib also keine Namen oder persönlichen Angaben ein. Alles Weitere steht in der Datenschutzerklärung.

So holst du das Beste heraus

  • Nenne zwei oder drei Merkmale. Stimmung, Ort und Thema ergänzen sich gut, etwa „Melancholischer Roman aus Japan“ oder „Thriller im Winter mit Schnee“.

  • Schreib einfach drauflos. Fachbegriffe brauchst du nicht: Aus „Historisch, epischer Roman über Gold“ wurden die Suchbegriffe Goldrausch und Goldgräber.

  • Lass Autoren und Titel weg. Die KI-Suche sucht nach Themen. Für einen bestimmten Namen ist die normale Suche besser.

  • Zeitangaben meinen meist die Liste. „Aus den 90ern“ heißt: stand in den 90ern auf der Bestsellerliste. Für die Handlungszeit nimmst du besser Stichwörter wie „Mittelalter“ oder „Nachkriegszeit“.

  • Formuliere um, wenn die Liste nicht passt. Schon eine kleine Änderung an der Frage startet eine neue Suche mit eigener Auswahl.

  • Such in Ruhe. Möglich sind zehn Suchen in zehn Minuten.

Grenzen

  • Gesucht wird nur in Titeln, die seit 1961 auf der Spiegel-Bestsellerliste Belletristik standen.

  • Bücher ohne Beschreibung und mit kurzem Steckbrief haben es schwerer, vor allem ältere Titel. Mit jedem gepflegten Eintrag wird die Suche besser.

  • Steckbriefe und Beschreibungen entstehen teilweise mit KI und können Fehler enthalten.

  • Die Suche merkt sich keinen Verlauf, jede Frage steht für sich.

  • Auch Haiku liegt mal daneben, und es wählt nicht jedes Mal gleich aus. In einem Test landete „Stoner“ in der Japan-Liste, obwohl es in Missouri spielt. Und bei den Geheimbünden schaffte es Harry Potter mit dem Orden des Phönix in die Auswahl, was streng genommen sogar stimmt.

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